Seit dem Jahr 2010 kommt es – unterbrochen nur durch die Corona-Pause – regelmäßig zu Begegnungen zwischen Schülern der IGS Jena sowie zwei Collèges (= Mittelschulen) und einem Gymnasium in der Charente.  Vom 22. – 29. 03. 2026 reisten 39 Schüler der IGS und drei Schülerinnen des Holzland-Gymnasium Hermsdorf zum nun siebten Besuch unsererseits nach La Rochefoucauld bzw. Ruffec.

Die Unterbringung erfolgte wie immer in Familien – eine seltene Möglichkeit, den tatsächlichen Alltag von in Frankreich lebenden Menschen zu erleben (dazu gehörten zur großen Freude von sechs unserer Schüler auch aus Madagaskar, dem Senegal  und Großbritannien eingewanderte Familien).  Fünf Schüler kannten ihre Partner schon vom Austausch 2024 in Jena, einige weitere waren ihnen beim Kurzbesuch der Franzosen am 30.09.25 in Jena bereits begegnet. Nach einer möglicherweise kurzen Irritation darüber, dass in Frankreich tatsächlich Französisch gesprochen wird und nicht jede Wohnung wie die eigene aussieht, fanden sich die meisten IGS-Schüler schnell zurecht und fühlten sich ausgesprochen wohl sowie liebevoll empfangen und umsorgt von den Gastgebern.

Unsere Schüler erkundeten gemeinsam mit ihren Gastgeschwistern die Orte selbst, lernten den Schulalltag kennen (Unterricht bis 16:35 oder gar 17:30!!!), besuchten die in der Nähe gelegene Comic- und Filmstadt Angoulême mit ihren beeindruckenden Wandmalereien und vertieften die gewonnenen Eindrücke in zweisprachiger Projektarbeit an den Schulen. Im Gedächtnis der Neunt- und Zwölftklässler wird sicherlich die Fahrt in das Dorf Oradour-sur-Glane bleiben, in dem am 10. Juni 1944 innerhalb weniger Stunden 643 Menschen von SS-Kräften umgebracht worden sind.  Wir danken dem fast 80-jährigen M. Doutre, der als Sohn eines der wenigen Überlebenden uns Gäste aus Deutschland durch das Dorf führte. Er ließ uns an der Geschichte seiner zu drei Vierteln ausgelöschten Familie teilhaben und erzählte am eigenen Beispiel davon, welche Wunden auch in den Nachgeborenen weiterleben. Er hofft, durch sein immer wieder schmerzliches Zeugnis dazu beizutragen, dass ein friedliches Zusammenleben in Europa möglich bleibt.

Touristischer Höhepunkt der Reise war die Fahrt nach La Rochelle. In einer Führung wurde uns die Geschichte der Stadt nahegebracht, alle Schüler konnten am Strand picknicken und ihre Füße in den Atlantik stecken.

Die reichlich fließenden Tränen bei der Verabschiedung am Bus zeigten, dass freundschaftliche persönliche Kontakte entstanden sind. Es bleibt zu wünschen, dass diese übers Jahr gepflegt werden und letztlich auch zu ausreichend Quartierangeboten im Frühjahr 2027 führen. Dann möchten wir uns für die erwiesene Gastfreundschaft revanchieren und damit weitere Austausche ermöglichen.

Unbedingt erwähnt werden soll an dieser Stelle, dass derartige Begegnungen, die zur Überwindung einstigen Hasses beitragen und friedliche Perspektiven zwischen den Völkern aufzeigen, großzügig vom Deutsch-Französischen Jugendwerk gefördert werden. Damit werden die Reisekosten für die Familien wie auch in den letzten Jahren wieder deutlich unter den zunächst geforderten bleiben.